Im Podcast Unicorn Bakery spricht Wefox Gründer Julian Teicke über den Aufstieg und den Fall seines Startups. Welche Entscheidungen das Unternehmen ins Wanken brachten und warum er heute keinen eigenen Risikoträgers mehr bauen würde. Seine These: Traumatisierte Gründer bauen die schlechteren Firmen.
Der teuerste Satz seiner Karriere
Teicke sammelte über eine Milliarde ein. Rückblickend war genau das das Problem. "Ich habe über eine Milliarde eingeworben. Letztendlich muss man sagen, dass das der größte Fehler war", sagt er. Gemeint ist vor allem die 240 Millionen Series B, die Wefox zum schnellsten Unicorn aller Zeiten machte.
Als 2022 die Zinswende kam und Wettbewerber an der Börse einbrachen, entschied sich Teicke gegen die Vollbremsung. Ein US Investor sprang ab, ein paralleler Zukauf über 400 Millionen Euro sollte trotzdem durchgezogen werden. Der Preis dafür war eine zweifache Liquidationspräferenz auf 400 Millionen frisches Kapital. Im Klartext bedeutet das, dass Investoren im Verkaufsfall zuerst 800 Millionen erhalten, bevor Gründer, Mitarbeiter und Altinvestoren überhaupt etwas sehen.
"Ich habe einfach immer nur mit Wertsteigerungen gerechnet", räumt Teicke ein. Was diese Klauseln mit den Interessen der Investoren anrichten, habe er schlicht nicht verstanden. Als die Börsengänge ausblieben, rechneten die Investoren nach und kamen zu einem simplen Ergebnis: Ein schneller Verkauf bringt ihnen unabhängig von der Bewertung das Zwei bis Dreifache zurück. Die Dynamik entglitt ihm, am Ende stand der Abschied aus der eigenen Firma.
Eigener Risikoträger ein strategischer Irrweg
Wefox startete als Plattform für Versicherungsmakler im Privatkundengeschäft, mit dem Produktportfolio von Drittversicherern. Dann fiel die Entscheidung für einen eigenen Risikoträger, um die Customer Experience vollständig kontrollieren zu können. Heute bewertet Teicke das als Fehler. "Wir sind damit in ein völlig anderes Spielfeld reingegangen", sagt er. Eine Versicherungsbilanz unterliegt regulatorischen Eigenkapitalanforderungen und folgt nicht der Logik margenstarker Software. Sein Fazit fällt knapp aus: "Wir hätten einfach einen Assekuradeur gründen sollen."
Bemerkenswert ist seine Begründung für die damalige Entscheidung. Sie sei nicht in erster Linie vom Bedarf des Unternehmens getrieben gewesen, sondern von der Frage, was gerade bei Investoren funktioniert. Die Abdeckung vollständiger Wertschöpfungsketten waren gerade in Mode. Daraus entstand die Akquisitionsstrategie, weil die Umsatzverdopplung organisch nicht zu schaffen war, wurde Wachstum eingekauft.
Die These vom gesunden Gründer
Der interessanteste Teil des Gesprächs ist der persönliche. Teicke beschreibt seinen früheren Antrieb als "Dirty Fuel". Ablehnung habe bei ihm existenzielle Ängste ausgelöst, er habe kein Nein akzeptiert, weder von Mitarbeitern noch von Partnern oder Investoren. Das habe funktioniert, aber einen Preis gehabt. "Habe ich damit die Welt verbessert? Nein."
Als Gegenbeispiel nennt er Social Media, die Wünsche der Teilnehmer, gemocht zu werden. Gesunde Gründer, so seine Überzeugung, bauen die größeren und nachhaltigeren Unternehmen. Heute arbeitet er deshalb mit Coaches und Therapeuten. Er sieht sich selbst noch nicht am Ziel und berichtet von einem Tag, an dem er nach zwei oder drei Wutausbrüchen im Büro einfach nach Hause ging.
Bauchgefühl schlägt Excel
Ein konkretes operatives Learning betrifft Personalentscheidungen. Sein Bauch habe ihm bei jeder später als falsch erkannten Entscheidung vorher schon Bescheid gesagt, auf dem Papier habe aber alles gepasst. Seine Rechnung dazu: Rational habe man Zugriff auf zwei von zehn Datenpunkten, der Bauch auf acht. Die Bauchentscheidung sei damit die datengetriebenere.
Sein Appell an deutsche Gründer fällt selbstbewusst aus. Talent und Kapital seien in Europa vorhanden, das Problem sei das Mindset. Zur Fehlerkultur sagt er: Das einzige Problem beim Hinfallen sei, nicht wieder aufzustehen.



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