Wenn eine Lampe Leben rettet: Smart Home Produkte

Im Insurance Monday Podcast begrüßen Gastgeber Sebastian Langrehr und Julius Kretz aus dem Podcast-Team einen ungewöhnlichen Gast: Olaf Schindler, der mit seinem Unternehmen vreeda intelligente Lichtsysteme entwickelt. Fast 20 Jahre Erfahrung aus der Energiebranche bringt er mit und eine klare Botschaft an die Versicherungswirtschaft: Wer den Einstieg in IoT und Prävention verschläft, wird in wenigen Jahren nicht mehr wettbewerbsfähig sein.

Warum ein Lampenhersteller im Versicherungspodcast sitzt

Schindler sieht die Parallelen zur Energiebranche, in der er zwei Jahrzehnte gearbeitet hat. Dort hat er erlebt, "wie schnell es dann doch etablierte Unternehmen überraschen kann, wenn Neo-Anbieter plötzlich über Gerätezugriff, über einen deutlich besseren digitalen Channel plötzlich ganze Branchen disruptieren". Genau dieses Muster erwartet er auch in der Assekuranz. Versicherungen seien über IoT der ideale Partner, um in die Prävention und in das intelligente Haus einzusteigen. Aus seiner Sicht ist es für die Branche "fast existenziell notwendig, dort erste Schritte zu gehen".

Der Denkfehler der Branche: Prävention aus dem Underwriting

Seine Kritik am bisherigen Vorgehen vieler Versicherer fällt deutlich aus. Wer Prävention aus dem Underwriting heraus denke, verlange harte Kausalitäten, wie man sie nur aus jahrzehntelangen Statistiken kennt, und stelle den positiven ROI vor den Kundennutzen. Das Ergebnis: überteuerte Wassersensoren und Rauchmelder, die kein Engagement erzeugen. "Es wird im Prinzip das Problem des Versicherers auf den Kunden verlagert. Und das ist ein schlechter Ratgeber." Erfolgreiche Unternehmen aus Asien und den USA machten es anders, nämlich konsequent kundenzentriert.

vreeda verfolgt deshalb einen anderen Ansatz. "Wir verkaufen keine Lampen, sondern wir verkaufen ein Kundenaktivierungsgerät", so Schindler. Eine günstige, skalierfähige Einheit mit emotionalen Touchpoints, die dort ansetzt, wo der Kunde tatsächlich steht. Das Paradebeispiel: Anwesenheitssimulation. Die Lampe simuliert bei leerer Wohnung individuell, als wäre jemand zu Hause. Im IoT-Umfeld gilt das als Case von vorgestern, doch Schindler hält dagegen: "Es sind noch über vier Millionen Zeitschaltuhren im Einsatz". Der Case sei in der Masse schlicht nie sauber kommuniziert worden.

Die Badezimmerlampe als Lebensretter

Ein praktisches Beispiel aus der Altenbetreuung: In einem Forschungsvorhaben mit der TU Dortmund hat vreeda herausgefunden, dass die Badezimmerlampe bei Alleinstehenden jeden Abend mit hoher Regelmäßigkeit für 10 bis 17 Minuten genutzt wird. Darauf baut ein statistisches Modell auf: Bleibt das erwartete Lichtanmachen aus, gehen Nachrichten an drei hinterlegte WhatsApp-Nummern. Wird auch dort nicht reagiert, kann nach einer weiteren halben Stunde ein rund um die Uhr besetzter Dienst, etwa eines Versicherers, nachhören. "Und siehe da, das ist ein Case für wenige Cent." Ein Nebeneffekt, der teuren Notruflösungen Konkurrenz macht, die am Ende ohnehin oft ungenutzt abgelegt werden.

Auch für die Gesundheitsprävention hat die Lampe etwas zu bieten: Ein dezentes blaues Aufleuchten im Homeoffice erinnert alle 20 Minuten ans Trinken. Alles sei möglich, man wundere sich, welche Cases über Lichtsignale denkbar seien. Sein Vergleich: Auch beim Smartphone habe anfangs niemand gedacht, dass man damit einmal bezahlt oder Türen öffnet.

Fußball im Wohnzimmer: Emotion schlägt Sensorik

Ein zweiter großer Use Case verbindet Sport, Sponsoring und Prävention. Die Lampe leuchtet in Vereinsfarben, wenn der eigene Club trifft und pulsiert traurig weiß beim Gegentor. Lichtdesigner haben die Szenarien gestaltet. Für Vereine entsteht ein neuer Touchpoint direkt in die Wohnungen, für Versicherer als Sponsoren ein glaubwürdiger Einstieg: Die gleiche Lampe, die das Stadionerlebnis nach Hause bringt, schützt per Anwesenheitssimulation vor Einbrüchen, wenn der Fan im Stadion ist. Schindlers Begründung ist so einfach wie einleuchtend: "Es braucht erstmal Massen, die bewegt werden und Massen werden über Emotionen bewegt." Als aktuelles Beispiel für die Kraft solcher Kombinationen nennt das Podcast-Team die Trikotsponsoring-Aktion von Trade Republic im Breitensport und fragt: Warum macht so etwas nicht auch mal ein Versicherer?

Die stille Landnahme der Plattformen

Eindringlich warnt Schindler vor Anbietern, die sich gerade unbemerkt den Markt sichern. Millionen smarter Geräte, etwa günstige Leuchtmittel aus Werbekampagnen, gelangen in deutsche Haushalte, deren Bewohner gar nicht wissen, auf welchen Plattformen sie sich damit befinden. Diese Player interessieren sich derzeit nicht für spektakuläre Präventionscases. Sie sammeln Zugänge und Daten, und irgendwann komme wahrscheinlich ein komplett neues Dienstleistungsangebot. Seine Prognose für die Wohngebäudeversicherung fällt entsprechend deutlich aus: "In fünf Jahren wird es kaum eine Versicherung noch geben, die die IoT-Prävention in die Risikoprämie nicht einfließt, die werden nicht mehr wettbewerbsfähig am Markt Angebote platzieren können."

Datensouveränität als europäische Chance

Datensouveränität, Datenoffenheit und standardisierte Schnittstellen seien die Grundlage der neuen vernetzten Welt. Da es in Europa keine Winner-takes-it-all-Modelle nach amerikanischem Vorbild geben werde, brauche es den Zusammenschluss vieler in echten Win-Win-Konstellationen, von versicherergesponserten Vereinen bis zu Hackathons mit Studenten. Seine Sorge gilt weniger der Technik als der Umsetzung: Es fehle daran, "dass wirklich jetzt auch mal übergreifend gedacht wird", statt nur regulatorisch Verpflichtendes abzuarbeiten. Kunden würden ihre Daten durchaus teilen, wenn man sie von Anfang an mitnimmt, aber nicht in einem "aufgezwungenen Hardware- und Datenvertrag".

Ein Klassiker zum Schluss

Ein Satz, den Schindler nicht mehr hören kann: "Das haben wir schon immer so gemacht." Wer sich dem nicht entgegenstelle und Unsicherheit als das neue Normal akzeptiere, werde verlieren. Sein Rat an die Branche: Testen und schnell lernen. Denn die Versicherer, die jetzt anfangen, werden in fünf Jahren einen etablierten Kanal mit mehreren Touchpoints pro Woche zu ihren Kunden haben. Die anderen schauen zu.

Autor

Redaktionsteam deutsche-versicherungsboerse.de

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