Auf dem BIPRO-Tag 2026 stand der BIPRO-Hub im Mittelpunkt des zweiten Konferenztages. Frank Lamsfuß, Vorstand der BarmeniaGothaer und Michael Krebbers, Vorstand der Stuttgarter machten deutlich, wie die Versicherungsbranche mit der gemeinschaftlich betriebenen Plattform Kosten senkt, Anbindungen beschleunigt und sich unabhängig von Drittanbietern macht.
Drei strategische Ziele: Kosten, Tempo, Souveränität
Frank Lamsfuß erinnerte zum Auftakt an die Gründungsidee des Hubs. Drei Motive haben die Initiative angetrieben: Kosten, Geschwindigkeit und digitale Souveränität. Jede bilaterale Anbindung zwischen Provider und Consumer sei bislang ein eigenes Projekt gewesen, bei dem beide Seiten viel Geld für Tätigkeiten ohne Marktdifferenzierung ausgaben. Der Hub bündelt diese Aufwände: Eine einzige Anbindung verschafft Zugang zu allen angeschlossenen Marktpartnern: „Ich binde mich einmal ans Hub an und habe dann Zugang zu ganz vielen Consumern, die sich auch an den Hub angeschlossen haben“.
Aus der Praxis berichtete er von reibungslosem Betrieb und nennenswertem Geschäftsvorfallvolumen. Zugleich senke der Hub die Einstiegshürde für neue Teilnehmer, deren Investitionen in BIPRO-Schnittstellen sich dadurch deutlich schneller rechneten.
Die Übernahme von Appinity als Bewährungsprobe
Besonderes Gewicht legte Lamsfuß auf ein Kapitel, das die Belastbarkeit des Souveränitätsgedankens belegt. Bereits in der Ausschreibung hatten sich die Initiatoren den Zugriff auf den Quellcode des Hubs gesichert. Was damals theoretisch wirkte, wurde 2025 real: Nach der strategischen Neuausrichtung der Münchener Rück übernahm BIPRO den Dienstleister Appinity, der den BIPRO-Hub entwickelt hat. Seither betreibt und entwickelt der Verein den Hub vollständig autark, ganz ohne spürbare Übergangseffekte: „Die BIPRO hat die Appinity übernommen, die BIPRO betreibt den Hub, die BIPRO entwickelt den Hub weiter, und zwar völlig autark und alleine“, betonte Lamsfuß.
Für ihn ist das der entscheidende Beleg, dass die Branche eine solche Infrastruktur selbst tragen kann, ohne dass Dritte die Digitalisierungsmarge abschöpfen. Sein Fazit: Eine Teilnahme berge faktisch kein Risiko, da normkonforme Schnittstellen jederzeit auch bilateral nutzbar blieben.
Eine Community, die sich selbst steuert
Arno Littmann, Product Manager des BIPRO-Hubs, erläuterte die operative Arbeitsweise. Entscheidungen entstehen dezentral: Fachliche Arbeitsgruppen je Stack bereiten Vorlagen vor, die Stack-Ausschüsse entscheiden eigenständig, auch über Finanzierung und Preismodelle. Eine stackübergreifende Marktplatzgruppe entwickelt die Product-Roadmap, strategische Fragen liegen beim Hub-Beirat. Im Bewertungssystem für neue Themen zählt jede Stimme gleich viel, unabhängig von Unternehmensgröße oder Umsatz.
Dirk Erdmann, bei der ERGO zuständig für die Vertriebstechnik im Bereich Makler und Kooperationspartner, ordnete die Investition seines Hauses in einer Videobotschaft ein. BIPRO sei kein IT-Nebenprojekt, sondern ein strategischer Baustein der Vertriebs- und Digitalstrategie: „BIPRO sorgt dafür, dass wir alle dieselbe Sprache sprechen, fachlich und technisch.“
Auch Marc Rindermann von acturis begründete in einem Statement, warum sein Unternehmen bei RNext Schaden Kfz mitwirkt: Mit einer Anbindung wolle man eine Vielzahl von Versicherern erreichen, da ein Service mit nur einem Partner am Ende nicht genutzt werde. Den Schadenprozess bezeichnete er als bislang hochgradig manuellen Volumenprozess der Makler, der über den Hub vollautomatisiert und medienbruchfrei laufen solle. Die R+V will laut Arno Müller im dritten Quartal 2026 mit ersten Partnern produktiv gehen und setzt dabei auf vollständige Dunkelverarbeitung.
Kostendeckung statt Gewinnmaximierung
Die BIPRO Service GmbH arbeitet nach eigener Leitlinie kostendeckend, nicht gewinnorientiert. Die Kalkulation der Stacks ist transparent, eine zentrale Preissteuerung ist ausgeschlossen, da jeder Stack sein Finanzierungsmodell selbst bestimmt. Entstehen Überschüsse, entscheidet der jeweilige Stack-Ausschuss, ob sie in neue Themen investiert werden oder die Preise für alle Teilnehmer sinken.
Dieses Modell überzeugte auch in Stuttgart. Michael Krebbers, Vorstand der Stuttgarter Versicherungsgruppe und künftiger Vorstand der SDK Stuttgarter Gruppe, kündigte auf der Bühne den Beitritt der Stuttgarter und der SDK an. Der Hub sei kein Dienstleister, sondern eine Vereinsleistung: „Ihr seid keine Dienstleister für uns, sondern wir sind ein Verein, und alles das, was wir im Verein tun, bleibt im Verein“, erklärte Krebbers.
Komplexität koste Geld, doch entscheidend sei die Marktdynamik bei Themen wie KI und FIDA. Der Hub biete mit seiner Struktur, Stabilität und Leistungsfähigkeit die Grundlage, um diese Herausforderungen gemeinsam in der Community zu lösen.
Ausblick auf den Hub in 2027 - es kommen neue Normen
Auf Nachfrage aus dem Publikum gab es einen Ausblick auf die Roadmap. Diskutiert werden derzeit die Normen 490, 501 und 502. Da jedes neue Thema zum Start mindestens drei Provider und drei Consumer benötigt, dürfte die Norm 501 frühestens 2027 und die Norm 502 im Jahr 2028 angeboten werden.
Für Unternehmen, die ihre Anbindungsstrategie planen, lohnt sich der frühe Einstieg: Wer in den Arbeitsgruppen und Stack-Ausschüssen mitwirkt, bestimmt Prioritäten und Preismodelle aktiv mit. Lamsfuß brachte es mit einem Zitat auf den Punkt: Nichts sei mächtiger als eine Idee, deren Zeit gekommen ist.



Verfassen Sie den ersten Kommentar