BiPRO-Hub: Die Entscheidung steht bevor

Bevor die Würfel fallen, fassen wir den aktuellen Stand der Dinge noch einmal zusammen. Stand heute zählen 15 Unternehmen zum Kreis der Initiatoren. Eine große Zahl an Unternehmen sichern die Finanzierung des Vorhabens, aber gerade in der initialen Phase kam es auf innovative Schlagkraft an. Lars Drückhammer (blau direkt) wies auf der Podiumsdiskussion auf die positiven Ergebnisse einer kleinen Gruppe hin, denn: "Viele Leute und viele Teilnehmer machen die Sache nicht unbedingt schneller."

Henning Plagemann: Der BiPRO-Hub hat mit über 90 Minuten sehr viel Raum bekommen. Und es gab eine Podiumsdiskussion, die nicht geskriptet wirkte. Tilman Freyenhagen hat als forscher Moderator sowohl den Initiatoren als auch kritischen Fragestellern aus dem Publikum sehr auf den Zahn gefühlt und ganz nebenbei das Ökosystem der Frösche in ihren Teichen und der Trockenlegung erklärt. Michael, wie war dein Eindruck vom BiPRO-Tag?

Michael Trosien: Ich begrüße dich zunächst zu unserem vierten Teil der beliebten Artikelserie…

HP: ...es hat sich aber nicht jeder Teilnehmer des BiPRO-Tages als großer Fan der Artikel gezeigt.

„Wehe wehe, wenn ich auf das Ende sehe...“

Die BiPRO-Nachtschicht

MT: Ich sage es mal so: Es hat gut gemeinte Hinweise und Ratschläge gegeben. Mein Favorit war übrigens ‚Wehe wehe, wenn ich auf das Ende sehe'. Köstlich, das war sogar noch vor der abendlichen 'Nachtschicht'. Aber zurück zu Deiner Frage, lass mich mit dem Stimmungsbild beginnen. Geschätzt 90% der Teilnehmer hat das Vorhaben gefallen, die Argumentation der Protagonisten wurde schlüssig vorgetragen. Insofern habe ich ein positives Bild von der Veranstaltung.

HP: Die Wortmeldungen aus dem Publikum waren aber in Teilen kontrovers. Der Präsident hatte in seiner Begrüßungsrede vor der Community auf Verschwörungstheorien hingewiesen.

MT: Ich weiß ehrlich gesagt bis heute nicht, wen er damit meinte.

HP: Es gab zwei parallele Initiativen, eine fokussierte auf Bestand und die andere auf TAA, beiden gemeinsam war die gemeinsame Formung in einem Hub auf BiPRO-Normen - sie hatten sozusagen die gemeinsame DNA. Und die wussten nichts voneinander, also musste das Präsidium erstmal vermitteln und hat während der Abstimmung die Kommunikation gestoppt. Man hat sozusagen eine kommunikative Pause gemacht.

BiPRO-Hub: Es geht um die Wurst.

MT: Der Vorsitzende des Marktausschusses der BiPRO, Frank Dünnleder, hat sich aus zwei Blickwinkeln heraus zu Wort gemeldet. Er ist nicht nur BiPRO-Mann der ersten Stunde, sondern auch erfolgreicher IT-Unternehmer. Er hat durchaus spannende Aspekte eingebracht und genau daher habe ich ihn auch für einen Folgeartikel um ein Interview gebeten. Denn gerade aus seiner Rolle als IT-Unternehmer heraus ist seine Position interessant, haben sich doch viele seiner Kollegen kontrovers zu diesem Vorhaben geäußert. Sagte er doch selbst, dass in seiner Brust zwei Herzen schlügen.

HP: Wir haben auch intensiv mit dem BiPRO-Verein gesprochen. Der Präsident Frank Schrills und Alexander Kern haben sich Zeit für einen intensiven Austausch genommen und deutlich gemacht, dass mit dem BiPRO-Hub alle über Jahre hinweg ihren Aufwand reduzieren werden, sowohl Provider als auch Consumer. Das hatte auch Dr. Gerrit Böhm vom Volkswohl Bund während der Podiumsdiskussion deutlich gemacht. Die Motivation wurde klar und das weitere Verfahren transparent vermittelt.

Wir wollen vorankommen, vor allem im Sinne von Kosteneffizienz und zwar für alle am Prozess beteiligten Teilnehmer, auch und insbesondere im Datenclearing.
Ralf Berndt, Stuttgarter Versicherung

MT: Ja, das stimmt. Es befinden sich übrigens gut ein Dutzend Unternehmen im Ausschreibungsverfahren, mit jeweils unterschiedlichem Losumfang. Von einigen potentiellen Anbietern habe ich gehört, dass sie aufgrund der engen Zeitvorgabe mitten im Sommer und der Urlaubssituation die Möglichkeit zur Teilnahme kritisch gesehen haben. Jetzt im Oktober werden vier bis fünf Anbieterpitches durchgeführt, eine Entscheidung zum Bau der MVP-Version soll Ende des Jahres fallen.

HP: MVP steht für „Minimum Viable Product“ und nicht für „Maklerverwaltungsprogramm“. Marc Rindermann von acturis hatte von aufgeregten Anrufen bei ihm berichtet, daher muss klar gesagt werden: Die BiPRO baut kein Verwaltungssystem. Und es werden auch keine Kunden- und Vertragsdaten vorgehalten, lediglich zum Routing werden Metadaten maximal eine "Nanosekunde" genutzt, wie Alexander Kern deutlich gemacht hat. Es werden nur Services harmonisiert, der BiPRO-Hub wird keine Verarbeitung dieser Daten durchführen.

Podiumsdiskussion zum BiPRO-Hub auf dem BiPRO-Tag 2022 in Neuss

MT: Trotz der ausführlichen Diskussionen und Gespräche am Abend dürften heute noch nicht alle Marktteilnehmer über hinreichende Informationen, oder auch Verständnis, für eine Bewertung der Auswirkungen auf das eigene Unternehmen und eine zwingend anstehende Entscheidungsvorlage verfügen. Jedoch ist die Analyse aus meiner Sicht für jeden Prozessbeteiligten obligatorisch und verlangt nach objektiven Kriterien.

HP: Objektivität ist auch die Abwägung verschiedener Meinungen und Sichtweisen, ohne irgendwelche Scheuklappen. Neben weiteren Artikeln werden wir uns auf dem bevorstehenden dvb-Workshop am 4./5. Oktober in Berlin unter Leitung des BiPRO-Experten Thomas Beckmann (b+m Informatik AG) mit dem Thema beschäftigen. Ich freue mich sehr, Michael Franke als ausgewiesenen Experten und Moderator, Alexander Kern als Vertreter der BiPRO und nahezu sämtlichen Initiatoren, Maklerversicherer und einigen Intermediären auf dem roten Teppich des Hollywood-Media-Hotels auf dem Kurfürstendamm zu einem m:n-Format begrüßen zu dürfen.

NACHTRAG: Der Vorsitzende des Marktausschusses der BiPRO, Frank Dünnleder, hat auf unsere fehlerhafte Bezeichnung des Marktausschuss als "Marketingausschuss" hingewiesen. Frank Dünnleder hat Recht: Es heißt "Marktausschuss" und nicht "Marketingausschuss". Inhaltlich bleiben wir bei unserer Darstellung.

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