Startup-Mentalität in der Ausschließlichkeit

In dem neuen Podcast „AO NEXT – Versicherungsagenturen von morgen“ widmet sich Host Nico Locker einem Gast, der das gängige Vorurteil über Ausschließlichkeitsagenturen eindrucksvoll widerlegt. Marco Klenk ist 29 Jahre alt, Inhaber der R+V Agentur Klenk in Stuttgart und wurde 2025 mit dem Unternehmerass in Gold als erfolgreichste Agentur Deutschlands ausgezeichnet. 

Das Schicksal hat eine eigene Logik

Marco Klenk wäre fast nie in der Versicherungsbranche gelandet. Mit einem Abitur knapp über 3,0 und dem Wunsch nach einem dualen BWL-Studium schrieb er rund 40 Bewerbungen, wurde jedoch überall abgelehnt. Nur die R&V nahm ihn. „Hätte ich eine andere Zusage bekommen, würde ich heute nicht hier sitzen und dürfte mich nicht als beste Versicherungsagentur Deutschlands 2025 schimpfen." Was im Rückblick wie göttliche Fügung wirkt, war damals schlicht der einzige verbleibende Weg. Und Klenk zog ihn konsequent durch.

"Von der Pieke auf", ganz ernst gemeint

Klenk lernte den Beruf von Grund auf: Post sortieren, Außendienstgesprächen zuhören, Schadensabwicklung beobachten. Nicht als Pflicht, sondern aus Überzeugung. „Je stärker dein Fundament, umso weiter kannst du das Ganze aufbauen. Viele wollen bei Stufe 2, 3 oder 4 anfangen." Diese Haltung zieht sich durch sein gesamtes unternehmerisches Selbstverständnis.

Prägend war auch eine frühe Führungserfahrung der negativen Art: Ein fachlich kompetenter Vorgesetzter, menschlich aber eine Belastung für das gesamte Team. Klenk zog daraus eine Konsequenz, die sein späteres Führungsverhalten bis heute bestimmt: „Ich habe live erlebt, wie man es auf gar keinen Fall machen soll."

Mit 23 gegenüber dem 55-jährigen Unternehmer

Nach dem dualen Studium folgte ein mobiles Zwischenjahr als Privatkundenspezialist quer durch die Region. Sechs Wochen hier, sechs Wochen dort, Montag bis Donnerstag im Hotel. Es sei schnell klar geworden, dass ihn das Privatkundengeschäft auf Dauer nicht genug forderte. Er drängte auf einen Wechsel in die Firmenkundenwelt und bekam mit 23 das Vertrauen, gegenüber erfahrenen Unternehmern zu bestehen. „Da musst du erstmal die Eier als Führungskraft haben, dass du das einem so jungen Menschen zutraust."

Die Agentur auf der grünen Wiese gestartet

2023 übernahm Klenk eine bestehende Agentur in Stuttgart: Papierordner bis zur Decke, jede E-Mail ausgedruckt, eine Halbtags-Innendienstkraft ohne Versicherungsausbildung. Keine Prozesse, keine Strukturen, keine Digitalität. Für ihn kein Problem, im Gegenteil. „Ich hatte den Vorteil, mich auf einer grünen Wiese auszutoben. Alles von null, aber dafür genau so, wie ich es wollte."

Er baute die Agentur bewusst mit Startup-Mentalität auf, von Anfang an für sechs, sieben, zehn Mitarbeiter ausgelegt. „Ich habe von Anfang an nicht die Prozesse geplant, die ich heute brauche, sondern die, die ich brauche, wenn wir fünf, sechs oder sieben Mitarbeiter sind."

Zwei Jahre Verzicht und eine Vision, die sich nicht verschieben ließ

2023 und 2024 waren für Klenk keine normalen Arbeitsjahre. Acht Urlaubstage im gesamten Jahr, samstags Kundentermine, abends Strukturarbeit mit Laptop auf dem Schoß. Gleichzeitig zehn neue Mitarbeiter eingestellt und eingearbeitet. Er ist offen über den Preis, den er dafür zahlte: „Ich hatte zu der Zeit keine Partnerin. Hätte ich eine gehabt, hätte ich das in diesem Pensum wahrscheinlich gar nicht machen können." Das sei keine Anleitung für andere, sondern eine ehrliche Einordnung, denn nicht jeder könne und müsse diesen Weg so gehen.

Die Vision selbst blieb dabei unverändert: Klenk hatte sie 2023 für 2030 entworfen und sie war bereits Ende 2025 Realität. „Ich war Gott sei Dank auch ein kleiner Sturkopf und habe mich keinen Millimeter davon abbringen lassen."

Wer zweifelt, spornt an

Skeptiker gab es reichlich. Auf einer Bühne vor 150 Kollegen durfte er die echten Investitionszahlen für sein Bürokonzept nicht nennen, die Zahl hätte zu viel Aufsehen erregt. Hinter vorgehaltener Hand hieß es: „Du übernimmst dich. Das wird nichts." Für Klenk die beste Motivation: „Wenn mir jemand sagt, das geht nicht, dann ist das für mich der größte Ansporn, es erst recht zu machen."

Kultur zuerst, die Tools kommen danach

Auf die Frage nach dem USP der Agentur beginnt Klenk nicht mit Zielgruppen oder Sales-Funnels, sondern mit Kultur. Alle arbeiten in Badelatschen, in der Mittagspause wird Mario Kart auf der Nintendo Switch gespielt, auch wenn Gäste von der R&V zu Workshop-Besuch kommen. Klenk selbst hat seit Anfang 2025 weder ein festes Büro noch einen festen Schreibtisch. „Der Chef stellt sich hinten an."

Ergebnisorientierung statt Anwesenheitskontrolle: Wenn an ruhigen Sommertagen alle Aufgaben erledigt sind, schickt er das Team früher nach Hause. „Warum sollen die zwei Stunden Däumchen drehen? Sollen sie sich ins Freibad legen."

Firmenkunden, Go-Giver und das Win-Win-Prinzip

Klenk betreut selbst ausschließlich Firmenkunden, die Privatkunden gibt er bewusst an seine Außendienstmitarbeiter. Sein Antrieb ist nicht die eigene Produktionszahl, sondern der Nutzen für den Kunden. Als konzeptionelle Grundlage dient das Buch „Go-Giver", das er jedem neuen Mitarbeiter mit einer persönlich handgeschriebenen Widmung überreicht. „Prio 1 ist: Wie verbessere ich die Situation meines Gegenübers? Ich weiß, dass ich im zweiten Schritt automatisch davon partizipiere, weil einfach die Vertragsgestaltungen so sind."

Das Back-Office hält die Außendienstmitarbeiter konsequent frei für ihre Kernaufgabe. Jede Innendienstkraft muss verpflichtend die Ausbildung zum Versicherungsfachmann bzw. -frau abgeschlossen haben. Kunden erhalten innerhalb von 24 Stunden eine Rückmeldung. Alles läuft über zentrale Gruppenpostfächer, direkte Durchwahlen und persönliche E-Mail-Adressen der Mitarbeiter gehen nicht nach außen.

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