125 Jahre BVK: Festakt in Berlin mit klarer Kante gegen die Politik

Der BVK ist nicht nur der größte deutsche Berufsverband der selbstständigen Versicherungskaufleute, sondern, wie Präsident Michael H. Heinz auf der Pressekonferenz betonte, auch der älteste Vermittlerverband Europas. Diese Stellung unterstrich auch die europäische Dachorganisation BIPAR, deren Direktorenkonferenz ihre Tagung eigens nach Berlin verlegte. Mit rund 700 angemeldeten Gästen wurde die ursprüngliche Planung deutlich übertroffen.

Ältester Vermittlerverband Europas

Eine Chronik dokumentiert die Verbandsgeschichte seit der Gründung 1901 durch den Generalagenten Heinrich Peters in Berlin. Heinz verwies darauf, dass viele Themen, die den Verband heute bewegen, schon seit Jahrzehnten Bestandteil der Verbandsarbeit sind: Ausschlusslisten unseriöser Vermittler ab 1910, Engagement für eine qualifizierte Berufsausbildung seit den 1920er Jahren und aktiven Verbraucherschutz mit Höhepunkten wie dem Check24‑Urteil.

Frühstart‑Rente: „Absolutes No‑Go"

Den schärfsten politischen Akzent setzte Heinz beim Thema staatlich verwalteter Altersvorsorgefonds. Der geplante Frühstart‑Fonds, der heute im Bundestag verabschiedet werden soll, sei für ihn „ein absolutes No‑Go". Heinz wörtlich auf der Pressekonferenz: „Hier sind Fliehkräfte am Werk innerhalb der Bundesregierung. Und damit meine ich natürlich in erster Linie den Part, den die SPD zu verantworten hat."

Der BVK‑Präsident bezweifelt grundsätzlich, dass der Staat als Produktanbieter, Regulierer und Aufsicht in Personalunion auftreten könne. Ein Standardprodukt werde der individuellen Lebenslage der Sparer nicht gerecht. Vermittler würden Anfragen zu staatlichen Fonds künftig kostenpflichtig beantworten müssen: „Wir machen da hier nicht den Büttel für andere, wir sind ehrbare Kaufleute, und dann kostet das eben Geld", so Heinz auf der Pressekonferenz. Auf die Frage, wann das Staatsprodukt seiner Meinung nach marktreif sei, gab Heinz keine Antwort, da ihm dazu nur noch sarkastische Antworten einfielen.

Lichtblick: Selbstständige in der geförderten Altersvorsorge

Eine zentrale BVK‑Forderung wurde nach Angaben des Verbandes in letzter Minute aufgenommen: Selbstständige werden in die geförderte private Altersvorsorge einbezogen, eine Personengruppe, die beim Riester‑Produkt ausgeschlossen war. Auch die Abkehr von harten Garantien zugunsten besserer Renditechancen bewertete Vizepräsident Gerald Archangeli positiv. Heinz verwies allerdings darauf, dass die Finanzierung dieser Förderung im Bundeshaushalt nicht hinreichend abgebildet sei.

Streit mit dem GDV um Beratung und Dokumentation

Einen der schärfsten Akzente setzte Heinz beim Konflikt mit dem GDV. Hintergrund ist die Forderung des GDV, beim geplanten Standardprodukt auf die gesetzlichen Beratungs und Dokumentationspflichten zu verzichten, um im Wettbewerb mit ETFAnbietern und Neobrokern schnelleren Marktzugang zu erhalten. Bereits Anfang dieser Woche hatte Heinz auf der DualExpertentagung in Köln klargestellt: „Das ist ein hohes Gut. Das ist im Versicherungsvertragsgesetz gesetzlich verankert. Das können Sie nicht mal eben aussetzen."

Auf der Pressekonferenz in Berlin berichtete der BVKPräsident von rund 20 Gesprächen mit Versicherungsvorständen in den vergangenen Wochen und stellte fest: „Keiner der Versicherungsvorstände hat mir gesagt, dass er das gut findet. Innerhalb des GDVPräsidiums sei der Beschluss zudem nur knapp mehrheitlich gefallen. Beratung und Dokumentation seien für den BVK ein unverzichtbares Asset im Sinne des Verbraucherschutzes. Aus Heinz‘ Sicht verletze das Verhalten des GDV das Bild des ehrbaren Kaufmanns.

Eine Kompromisslösung schloss Heinz in Berlin aus. Über die grundsätzliche Loyalität des Branchenverbandes äußerte er auf der Dual‑Tagung erstmals offene Zweifel: Niemand könne dem BVK garantieren, dass der GDV als Interessenvertreter der Versicherer weiterhin auf Seiten der Vermittler stehe. Heinz forderte gleiche Spielregeln für alle Marktteilnehmer einschließlich Neobroker und Investmentanbieter.

Wettbewerb durch Standardprodukt und Neobroker

Mit Blick auf den künftigen Wettbewerb durch Neobroker und Standardprodukte machte Archangeli deutlich, dass der Berufsstand sich nicht über Produktverkauf, sondern über Bedarfsanalyse und langfristige Begleitung positioniere. Heinz ergänzte: „Wir sind als Berufsverband und als Arbeitgeberverband nicht für Produktinnovation zuständig. Das machen andere." Stattdessen gehe es um die individuelle Beratung von 84 Millionen Bürgern, eine Leistung, die weder ein Standardprodukt noch ein Algorithmus erbringen könne.

Heinz kündigte harte Verhandlungen mit den Produktgebern an. Die gedeckelten Abschlusskosten und der Wegfall der Zillmerung machten Regelungen zum Ausgleichsanspruch erforderlich, damit der Vertrieb auch für ältere Vermittler lukrativ bleibe. Die Personenversicherungskommission des BVK arbeite bereits daran.

Bundespräsident a. D. Wulff: „Vertrauen ist der eigentliche Exportschlager"

In seiner Festrede im Admiralspalast schlug Bundespräsident a. D. Christian Wulff einen weiten historischen Bogen. Wulff würdigte die deutsche Versicherungswirtschaft als weltweit führend: „Der eigentliche Exportschlager der deutschen Versicherungswirtschaft ist Vertrauen", sagte er. Die Stärke des Standorts beruhe auf jahrzehntelang gelebter Solidarität, kaufmännischer Disziplin und einem ausgeprägten Verantwortungsbewusstsein.

Wulff benannte drei zentrale Herausforderungen: Den demografischen Wandel mit fehlenden Beitragszahlern, die geopolitische Verschiebung mit dem Aufstieg Chinas sowie die veränderte Kommunikation im Zeitalter algorithmischer Manipulation. Mit Blick auf die Künstliche Intelligenz prognostizierte Wulff, dass KI in der Versicherungsbranche künftig Verträge prüfen und Risiken berechnen werde. Am Ende aber werde „der Versicherungsvermittler das ausschlaggebende Argument bei vielen sein". Eindringlich warb der frühere Bundespräsident für demokratisches Engagement und warnte vor Gleichgültigkeit: „Demokratien klingeln nicht, wenn sie gehen. Sie sind auf einmal weg."

Eine persönliche Note erhielt der Festakt durch eine Überraschung für den Verbandspräsidenten selbst. Im Beisein von Bundespräsident a. D. Christian Wulff wurde Michael H. Heinz, Träger des Bundesverdienstkreuzes, auf der Bühne des Admiralspalastes mit der goldenen Anstecknadel des BVK ausgezeichnet, der höchsten Auszeichnung des Verbandes. Sichtlich überrascht konnte Heinz seine Rührung über die Ehrung nicht unterdrücken.

Nach der Party geht es beim BVK weiter…

Vor der Jubiläumsfeier hatte der BVK seine Hauptversammlung durchgeführt. Vorträge wie „KI im Versicherungsvertrieb: Chancen nutzen, Risiken meistern” im Hotel Meliá vermittelten den Mitgliedern praktische Ansätze für eine moderne Vertriebsunterstützung und Unternehmensgestaltung. Präsident Heinz stellte zum Abschluss fest, dass die Gremiensitzungen trotz der Party bis in die Morgenstunden am Freitag wie geplant weitergehen, genehmigte aber einen um eine Stunde späteren Beginn.

Autor

Redaktionsteam deutsche-versicherungsboerse.de

Verfassen Sie den ersten Kommentar