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08.10.2019 - dvb-aktuell

Oligopolisierung des Anbietermarktes – ist das noch Konzentration oder schon Missbrauch?

Der Workshop am 18./19. September in Berlin war von der deutschen-versicherungsboerse.de (dvb) unter dem Titel „IT-Integration zwischen Makler, Versicherer und Dritten“ angekündigt, aber den ersten Teil hätte man auch gut unter „Revolution“ laufen lassen können. Die 60 Teilnehmer haben für die zukünftige Marktentwicklung einiges zum Nachdenken bekommen.

blaudirekt sieht führende Maklerversicherer am Ende, Franke und Bornberg verfolgt das Transaktionsgebühren-Modell nicht weiter, eine Brancheninitiative von Versicherern macht den Pools Konkurrenz und die VeDaTa macht Makler so transparent wie vor der DSGVO. Dass der neue Datenschutz ohnehin nicht so schneidend wie befürchtet ist, zeigte der Rückblick eines Datenschützers. Der Ausblick auf die DIN-Standard Beratung mit Hilfe von Systemen, Unterschriftenpads und alles mit einmaliger Passworteingabe über das Single-Sign-On von easy Login ließen nur ein Fazit zu: Alles erfolgreich integriert! Oder?

Aktuelles aus dem Maklermarkt

In einem Impulsvortrag sprach Oliver Pradetto über die Oligopolisierung des Maklermarktes. Die Erwartungshaltung des Veranstalters dürfte erfüllt worden sein: Klare und direkte Ansagen, gerne auch provokant formuliert und direkt vor die Brust – aber niemals unbegründet und immer mit dem charmanten Lächeln, es nicht zu schwer zu nehmen. Seine Botschaft zusammengefasst: IT-Entwicklungskapazitäten sind heute der alles entscheidende Erfolgsfaktor und weil die IT-Leute knapp sind, wird es teuer. Wettbewerber mit höherem Gewinn erhöhen ihre IT-Kapazitäten und auch die Wettbewerbsvorteile. Wenn jetzt noch zusätzliche Investitionen z.B. durch den Verkauf von Tochterunternehmen zur Verfügung stehen, dann ist das wie der Wettlauf zwischen Hase-und-Igel – egal wie schlau der Igel auch ist, seine IT-Hausaufgaben macht und in technischen Innovationen übt, der Hase gewinnt im wahren Leben trotzdem - "Geld schlägt Ideen. Immer.", sagt Oliver Pradetto dazu. Und weil Finanzmittel eine starke Machtposition garantieren, ist der Markt für neue Spieler mit den Taschen voller Risikokapital so interessant. Was in den nächsten 2-3 Jahren passieren wird? Alle Pools haben Übernahmeangebote auf dem Tisch, von denen einige sie annehmen werden. Große Versicherer erkaufen sich Anteile an umsatzstarken Vertriebswegen, vergrößern dadurch ihren Anteil am Umsatz des kontinuierlich schrumpfenden Marktes. Nebenbei katapultieren sie damit Überkapazitäten aus dem Markt, in diesem Fall kleine und mittelgroße Maklerversicherer ohne eigenen Vertriebshebel zur Umsatzsteigerung.

meinMVP der Maklerversicherer

Das war die ideale Einleitung für Tim Rickenberg von digital broking. Initiiert von der VHV haben sich einige Maklerversicherer zusammengetan, um offensichtlich genau den oben genannten Vertriebshebel für sich zu realisieren. Präsentiert wurde das Maklerverwaltungssystem meinMVP, das dank seiner späten Geburt die Anforderungen der Makler an ihre in die Jahre gekommenen Systeme aufgegriffen und umgesetzt hat. Der Daten- und Prozessaustausch über BiPRO- und GDV-Daten ist bereits umgesetzt, Vergleicher sind funktional voll integriert – hier wurde still und leise richtig geklotzt. Fehlende fachliche Funktionen werden kontinuierlich nachentwickelt, die aktiven Maklernutzer füllen fleißig das Backlog für die weitere Entwicklungs-Roadmap. Denkt man die vorgestellten Überlegungen für die weitere Entwicklung konsequent zu Ende, entsteht hier eine neue Abwicklungsplattform. Kostenlos für Makler, offen für weitere Versichererbeteiligungen und ein deutliches Signal zur Stärkung des Direktgeschäftes mit den Maklern. Über 3.000 Nutzer mit über 1 Mio. verwalteter Verträge hat die Initiative seit der letzten DKM-Messe für sich gewinnen können.

MaklerRadar macht Makler transparent

In Kürze fahren wir alle wieder nach Dortmund, um die DKM zu besuchen. Der AssCompact-Newsletter empfiehlt vorab passende Vorträge gemäß der Interessensgebiete, die bei der Bestellung der kostenlosen Zeitung angegeben wurden. Handscanner auf der DKM registrieren, wann und wo man rein- und rausgeht. Es gibt also eine Menge Informationen über den einzelnen Makler. Wenn dieses Wissen noch mit Informationen von Auskunfteien angereichert, die Maklerwebseiten analysiert werden und alles von Data Scientists der mexxon aggregiert wird, dann steht den Versicherern das MaklerRadar zur Verfügung. Gezieltere Ansprache, bessere Vorbereitung auf Gespräche und somit mehr Effizienz für alle Beteiligten ist das Angebot dieses neuen Datenanalytikers.

Dürfen die das? In Zeiten von DSGVO muss das die erste Nachfrage sein und sie war mehr Ausdruck der Überraschung, dass trotz DSGVO überhaupt noch etwas mit personenbezogenen Daten machbar ist. Der externe Datenschutzbeauftragte Arndt Halbach zog Resümee nach einem Jahr Erfahrung mit dem überregulierten Datenschutz und stellte fest: „Der großen Angst vor drakonischen Strafen standen bislang am Ende sehr geringe Bußgelder gegenüber. Aber absolute Obacht!“, warnte der Mann der Daten und kündigte ein massives Ansteigen der verhängten Bußgelder an. „Die Datenschützer sind vollkommen überfordert und laufen sich, genau wie die Gerichte, erst langsam warm.“ Zur Wahrung des Datenschutzes inspizierte er am Ende die Smartphones mit veraltetem Sicherheits-Patchlevel, um anschließend sofortige Neuanschaffungen in einem Apfelladen auf dem Kurfürstendamm zu empfehlen.

Vergleichen und Beantragen

Wie kommen die Tarifprodukte der Versicherer zum Makler? Über die Vergleichsanbieter. Und weil ja alle bei BiPRO mitmachen, können die Vergleicher mittlerweile nicht nur tarifieren, sondern auch die Angebote erstellen und den fertigen Antrag beim Versicherer einreichen. Moment, sagt da ein Vergleichshersteller, für die Tarifierung nutzen wir lieber eigene Daten, das geht schneller und ist für uns einfacher. Franke und Bornberg als Analyseexperte setzt jedoch auch bei den Tarifierungsvergleichen auf die Rechentechnik der Versicherer, das ist nicht nur genauer, sondern vermeidet doppelten Testaufwand. Aber wenn dann die Anträge elektronisch bei den Gesellschaften eingereicht werden, dann hätten sie das gerne vergütet. Transaktionskosten für Versicherer auf den Vergleicherseiten - ist das die Wiederauferstehung des Indatex-Modells? „Nein“, stellt Michael Franke klar, „unser Vorschlag an die Versicherer war, ausschließlich für dunkelverarbeitungsfähige Antragsdatensätze eine kleinteilige Transaktionsgebühr zu vereinbaren, um die Kosten für die Erstellung der setOrder-Prozesse zu kompensieren. Das finden einige, aber nicht alle Versicherer sinnvoll. Da wir einen einheitlichen Weg suchen, haben wir das Modell umgestellt.“

Das Anbinden und Umsetzen von BiPRO-Services zur Erstellung eines Angebotes und Antrages stellte die ObjectiveIT vor, die ihre Services u.a. für die blaudirekt bereitstellen. Trotz aller Automatisierung bleibt das Problem der Annahmeerklärung des Kunden: Elektronische Unterschriftsverfahren oder gar der Verzicht auf die Unterschrift können im Antragsprozess zum Tragen kommen, was zu einer lebhaften Diskussion führte – wenn Pool und Versicherer sich auf dieses Vorgehen verabreden und eventuelle Rückschläge vor Gericht einpreisen – wie steht es denn mit der Haftung des Maklers, wenn sich der Kunde im Falle einer Rückabwicklung des Vertrages hinsichtlich der erwarteten Leistung an diesem schadlos halten will? Eine interessante Frage, die durch die Technik nicht geheilt werden kann und somit an anderer Stelle diskutiert werden muss.

Elektronische Unterschrift und Single-Sign-On

Bleiben wir bei der elektronischen Unterschrift, kein alter, sondern ein bekannter Hut. Es gibt gesetzliche Regularien im praktischen Einsatz zu beachten, aber die flächendeckende Einführung der qualifizierten elektronischen Signatur über den Personalausweis durch den Gesetzgeber ist gefloppt. Also muss man sich Krücken bauen, um später vor Gericht die tatsächliche Unterzeichnung der Dokumente glaubhaft belegen zu können. Immer mehr Gesellschaften implementieren die Lösung von IS2, die Stephan Hämmerl vorstellte und von der telis am praktischen Beispiel von über 500.000 elektronischer Unterschriften im Jahre 2018 präsentiert wurde.

Zurück zur Technik führte der aktuelle Blick auf die aktuelle Umsetzung der Ehe zwischen easy Login und der TGIC. Marek Ullrich stellte den aktuellen Zeitplan vor: Im November 2019 startet der Pilotbetrieb mit Versicherungen und Maklern, in 2020 müssen die Makler einmalig ihren Zugang per Klick um die Authentifizierung durch das mobileTAN-Verfahren der TGIC erweitern (das digitale Zertifikat gibt es alternativ natürlich auch) und Ende 2020 wechseln die VDG-Versicherer auf die TGIC-Technologie. Es muss noch ein wenig an der Technik geschraubt werden, so wird u.a. auch RNext von der BiPRO umgesetzt und dann heißt es bald: Es kann nur ein Single-Sign-On geben!

BiPRO Server mit erweiterter Gesundheitsprüfung

Technik muss funktionieren. Bei BiPRO-Services ist das nicht immer der Fall, was Makler und insbesondere MVP-Hersteller regelmäßig zur Verzweiflung treibt. Das forderte den BiPRO-Kenner Thomas Beckmann von der b+m Informatik AG heraus, der ein Konzept für einen „BiPRO Server Health Check Service“ entwickelt und vorgestellt hat. Er zeigte die heutige Abhängigkeit der Marktakteure von den bereits bestehenden BiPRO-Verbindungen auf und die bunte Vielfalt der möglichen Störungen. Die Störungssuche verursacht an zu vielen Stellen Kosten, Supportüberlastung und vor allem Frustration. Mit der Rückendeckung des Normungsausschusses sieht sein Konzept eine visuelle Meldung bei den Anwendern vor, die auf automatisierten Überwachungsservices bei den Providern basieren. Aus seiner Sicht ein tragfähiges Konzept, das jetzt nur noch umgesetzt werden muss. Freiwillige Provider bitte vortreten!

Henning Plagemann

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