Diese KI-Plattform soll das Maklerbüro komplett umkrempeln

Im Insurance Monday Podcast ist Daniel Dierkes zu Gast, Gründer und Geschäftsführer von SureIn. Es geht um die operative Überforderung im Maklermarkt und warum die KI künftig über Gewinner und Verlierer entscheiden könnte. Makler verbringen heute rund die Hälfte ihrer Zeit mit Verwaltung, die klassischen MVP-Systeme stoßen an ihre Grenzen. Ein Gespräch über digitale Geschäftsmodelle und die Frage, wie sich das Maklerbüro verändern wird.

Vom Wagniskapital in die Versicherungsbranche

Dierkes ist Quereinsteiger, auch wenn er inzwischen neun Jahre in der Branche tätig ist. Nach einem BWL-Studium gründete er erste Unternehmen und arbeitete anschließend als Startup-Investor in der frühen Phase, unter anderem mit Firmen wie N26 und dentolo. Über die Signal Iduna, wo er neue Geschäftsfelder aufbaute und sich intensiv mit dem Gewerbegeschäft befasste, kam er schließlich zur Gründung von SureIn. 

Warum SureIn selbst Makler wurde

SureIn versteht sich als digitaler Gewerbe- und Industriemakler mit Sitz in Berlin. Die Idee hinter der Gründung: Auch im B2B-Bereich wollen immer mehr Kunden eine digitale Service-Erfahrung, die über reine Digitalberatung hinausgeht. Die Entscheidung, selbst als Makler aufzutreten begründet Dierkes mit dem Zugang zu den besten Konzepten: "Gewerberisiken sind super vielschichtig, sehr dynamisch, das heißt, du brauchst auch ein entsprechendes Produktportfolio in der Hinterhand, um Kunden überhaupt vernünftig servicieren zu können."

Verwaltungsarbeit ist ein Problem

Bei aller Vertriebsstärke zeigte sich das eigentliche Nadelöhr an anderer Stelle. SureIn will Kunden binnen 24 Stunden eine Lösung präsentieren, was in der Branche durchaus anspruchsvoll ist. Mit wachsender Kundenzahl wurde das Halten dieses Service-Levels immer schwerer. Im Herbst des Vorjahres fiel die Erkenntnis: "Wenn wir so weiter operieren, wird das nicht skalieren. Dann werden wir für jede x neuen Kunden weitere Mitarbeiter einstellen müssen."

Der Anteil der Verwaltungsarbeit liegt bei befragten Maklern zwischen einem Drittel und 80 Prozent. Für das eigene Haus schätzt er, dass vor allem die Bestandsarbeit sehr viel Zeit frisst und der Anteil noch immer bei rund 50 Prozent liegt.

Kleber zwischen den Systemen statt nächstes MVP

Aus den eigenen Schmerzen entstand ein Softwareprodukt, das SureIn nun an den Markt bringt. 70 Prozent der Firma arbeiten in der Produktentwicklung, das Unternehmen versteht sich als Symbiose aus Makler und Tech-Unternehmen. Ausdrücklich will Modus kein MVP-System ersetzen, sondern als Schicht darüber wirken: "Wenn du es funktional beschreiben willst, eher als Kleber zwischen den Systemen."

Das Kernproblem sieht Dierkes in der Zersplitterung der Information. Dokumentation im MVP-System, Vertriebsdaten im CRM, Kundennachrichten über WhatsApp, Antworten der Versicherer per E-Mail und Dokumente über die BiPRO-Schnittstelle. Surein bündelt diese eingehende Kommunikation zentral in einer Oberfläche und schafft damit zugleich die Kontextgrundlage für den KI-Einsatz.

Was die Software heute schon leistet

Eingehende Nachrichten aus E-Mail, WhatsApp, BiPRO-Dokumenten und dem MVP-System werden analysiert und klassifiziert, nach Aussage von Dierkes mit nahezu hundertprozentiger Genauigkeit. Das System setzt die Anfrage in Kontext, erstellt daraus den Vorgang und die passenden Aufgaben und bietet dem Makler die Möglichkeit, automatisch Antworten für E-Mail und WhatsApp zu generieren, wobei Dokumentennummern und Kontext aus den verschiedenen Kanälen einbezogen werden. 

Spezialisierung als Antwort auf die KI

Die meisten Makler kämen nicht umhin, sich mit KI zu beschäftigen. Sein Fazit lautet back to the roots: Wenn ein Großteil der operativen Arbeit künftig von KI-Systemen übernommen werden kann, rücken Kernkompetenzen wie Risikoanalyse und Beratung in den Vordergrund. Differenzierung über Service-Level, etwa Antwortgeschwindigkeit, verliere an Gewicht, die Qualität der eigentlichen Beratung gewinne. Spezialisierung werde damit zur entscheidenden Antwort auf die Frage, wie man sich am Markt behauptet. Dierkes beobachtet zudem mehr Partnerschaften zwischen Maklern, bei denen Mandate geteilt und Kernkompetenzen gebündelt werden.

Die Vision: Mehr Umsatz pro Mitarbeiter

Surein soll zur zentralen Plattform für Makler werden, die sich in bestehende Systeme integriert, Daten strukturiert und darauf KI einsetzt, um einen maßgeblichen Anteil der operativen Arbeit zu automatisieren. Maklerteam und Softwareteam sind dabei strikt getrennt, das eigene Maklerhaus bleibt erster Kunde und Testfeld. Der Nordstern ist klar benannt: "Wir wollen mit unserem System dafür sorgen, dass Makler deutlich mehr Umsatz pro Mitarbeiter schaffen können, als es jetzt so ist."

Autor

Redaktionsteam deutsche-versicherungsboerse.de

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